38.CSR-MAGAZIN Topnews Umwelt

Ein Blick über den Tellerrand

Haikou Meishehe Park (Foto: Kongjian Yu, Turenscape)

Internationale Perspektiven zum Konzept der Schwammstadt. Ein Beitrag für das 38. CSR MAGAZIN

Vechta (csr-magazin) – Extreme Wetterereignisse, verheerende Überschwemmungen und Flutkatastrophen – keine Seltenheit für Monsunregionen. So haben die Volksrepublik China und andere südostasiatische Länder bereits seit Jahrtausenden mit Überschwemmungen und Dürreperioden zu kämpfen. „Wir haben in China lange darauf vertraut, dass die graue, künstliche Infrastruktur aus Rohren und Beton das Wasserproblem einschließlich Überschwemmungen und Dürre lösen kann, aber das kann sie nicht“, sagt Kongjian Yu, einer der renommiertesten Landschaftsarchitekten Chinas, Professor an der Peking-Universität und Gründer des Planungsbüros Turenscape in Peking. Yu sieht dringenden Handlungsbedarf: „Unsere Bestrebungen, mithilfe von kanalisierten Rohrsystemen und Betonmauern das städtische Wasserproblem zu lösen, verschlimmern es nur. Wir müssen das Problem systematisch angehen“.

Von Isabelle Batke und Friederike Fischer

In der Tat basiert das herkömmliche Hochwassermanagement, dessen Ursprung sich in den europäischen Ländern findet, zum Großteil auf Rohrsystemen für eine schnellstmögliche Beförderung des Wassers in die Kanalisation sowie auf Betonmauern an Fließgewässern, die vermeiden sollen, dass das Wasser über die Ufer tritt. Denn durch den hohen Grad an Flächenversiegelung kann nur ein geringer Teil des Regenwassers in unseren Städten im Boden versickern. „Diese konventionelle Lösung der Wasserbauingenieure ist ein Business-as-usual-Modell“, erklärt Yu. Dabei haben die jüngsten Hochwasserkatastrophen gezeigt, wozu das führt: Das Wasser sammelt sich an, bis es überläuft. Keine ausgesprochen nachhaltige Lösung, um Fluten vorzubeugen. Welche Alternativen gibt es?


Das CSR MAGAZIN will jungen Autoren eine Stimme geben. In dieser Ausgabe berichten zwei Teams aus dem Masterstudiengang “Transformationsmanagement in ländlichen Räumen” der Universität Vechta angesichts zunehmender Starkregenereignisse über das Konzept der “Schwammstadt”.


Die Kunst des Überlebens

Yu ist sich sicher: Wenn wir künftig Flutkatastrophen vermeiden wollen, müssen wir mit der und nicht gegen die Natur wirtschaften. Die Lösung? Ein Schwamm. Schwämme haben eine nützliche Funktion: Sie können Wasser aufsaugen, für eine Weile speichern und bei Bedarf wieder abgeben. Diese Funktion sollen nun auch ganze Städte erfüllen können. Nicht umsonst ist Yu bekannt als der Mann hinter dem Konzept der Schwammstadt (engl.: Sponge City). Eine Schwammstadt zeichnet sich dadurch aus, die Natur mit ihrer lebendigen Landschaft anstelle eines künstlichen und betonierten Infrastruktursystems zur Bewältigung von Überschwemmungen und Dürren zu nutzen. Hier wird ein klares Ziel verfolgt: dem Wasser mehr Raum zu geben. Dies kann unter anderem durch Entsiegelung, Versickerungs- und Grünflächen, Fassaden- und Dachbegrünung, Entwässerungsmulden und eine insgesamt grüne Infrastruktur erreicht werden. Eine Klimaanpassungsstrategie, die einen natürlichen Wasserkreislauf schafft und zugleich eine erhebliche Verbesserung des Stadtklimas mit sich führt.

Kongjian Yu (Bildrechte: Kongjian Yu, Turenscape)

„Das Schwammstadt-Konzept basiert auf ganzheitlichem, ökologischem Denken, es ist eine naturbasierte Lösung für ein Problem, mit dem wir alle heute weltweit konfrontiert sind“, erklärt Yu. „Schwammstadt bedeutet, dass wir uns an die Natur und an extreme Klimasituationen anpassen, die Stadt sollte widerstandsfähig sein. Wenn Wasser fällt, sollte die Stadt es lokal zwischenspeichern, wiederverwenden oder aufsaugen können. So stehen auch für Dürreperioden Wasserreserven zur Verfügung. Ich nenne das die Kunst des Überlebens“. Das Konzept der Schwammstadt wird bereits in zahlreichen chinesischen Städten eingeführt. China hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2030 sollen über zwei Drittel chinesischer Städte als Schwamm fungieren. Nachdem China in der Vergangenheit das herkömmliche Hochwassermanagement und den Bau der Städte aus europäischen Ländern übernommen hat, scheint es nun an der Zeit für Europa, sich ein Beispiel an Chinas Städten zu nehmen.

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Weiterführende Links:

Isabelle Batke und Friederike Fischer
studieren im Masterstudiengang “Transformationsmanagement in ländlichen Räumen” an der Universität Vechta
trm.vechta@gmail.com

 


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