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Investoren setzen auf nichtfinanzielle Informationen

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Studie von IIRC und Kirchhoff Consult: Unternehmensberichte noch nicht weit genug

Hamburg (csr-partner) – In Kooperation mit dem International Integrated Reporting Council (IIRC) hat die Kirchhoff Consult AG untersucht, welchen Wert Investoren und Analysten nichtfinanziellen Informationen beimessen, wie sie diese nutzen und welche Vorteile sie aus einer integrierten Berichterstattung ziehen. Auch die Frage, wie sich eine stärker integrierte Berichterstattung nichtfinanzieller Informationen seitens der Unternehmen in Deutschland fördern lässt, wurde untersucht. Die Studie basiert auf Interviews mit Investoren aus Deutschland, die Erkenntnisse sind jedoch gleichermaßen auch international relevant – für Investoren wie Unternehmen.

Die Studie zeigt ein klares Interesse und Wertschätzung seitens Investoren aller Art für nichtfinanzielle Informationen, die sich letztlich in finanziellen Auswirkungen und Kennzahlen niederschlagen. Das betrifft nichtfinanzielle Informationen in verschiedenen Bereichen, darunter Geschäftsmodelle, Unternehmensführung (Governance), Strategie und Markttrends, aber auch Informationen zu Human- und Sozialkapital.

Auch jenseits von explizit auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Produkten helfen diese Informationen Investoren dabei, die für das Portfolio infrage kommenden Investments herauszufiltern und gehen zudem konkret in die Bewertung der Zielunternehmen ein, indem sie etwa in klassischen DCF-Bewertungsmodellen berücksichtigt werden. Beispielsweise können zukünftig notwendige Investitionen zur Anpassung des Geschäftsmodells an veränderte soziale oder klimatische Rahmenbedingungen die Cashflows kommender Geschäftsjahre verringern, während etwa eine schwache Governance in Form von höheren Diskontierungssätzen wertmindernd in die Berechnung eingeht.

HETEROGENES SPEKTRUM AN INVESTOREN BEFRAGT
Für die Studie wurden Expertengespräche mit zwölf institutionellen Investoren geführt, deren Investmenthäuser zusammen Kapitalanlagen von mehr als 1,4 Billionen € repräsentieren. Die Investoren kommen aus dem deutschsprachigen Raum (elf aus Deutschland, einer aus der Schweiz) und haben ganz unterschiedliche Rollen in ihren Unternehmen. Unter ihnen finden sich Buy-Side- und Sell-Side-Investoren sowie Risiko-Management-Spezialisten. Sie vertreten teilweise globale Finanzdienstleister, teilweise aber auch Family Offices oder Investment- oder Bewertungsberatungen. Manche von ihnen haben einen Mainstream-Fokus, während andere im Bereich ESG oder als Impact-Investoren aktiv sind. In den Interviews ging es um Arten, Quellen und Nutzungsverhalten von nichtfinanziellen Informationen, ebenso wie um nützliche Charakteristika von Berichten mit nichtfinanziellen Informationen sowie die Vorzüge einer integrierten Berichterstattung und Möglichkeiten zu deren weiterer Verbreitung.

UNTERNEHMENSBERICHTE ALS WICHTIGE INFORMATIONSQUELLE – MIT DEFIZITEN
Je nach Ausrichtung der Investoren sind neben Datenbanken und Ratings von Drittanbietern die Berichterstattung der Untenehmen und der direkte Austausch mit ihnen die Hauptquellen für nichtfinanzielle Informationen. Dabei ist es für die Nutzung der Informationen wichtig, dass die bereitgestellten Informationen wesentlich, relevant, zuverlässig, vergleichbar und im Zeitverlauf konsistent sind. Insbesondere suchen die Investoren aber nach Zusammenhängen zwischen den unterschiedlichen Informationen, vor allem nach Verbindungen zwischen den nichtfinanziellen Informationen und den Finanzzahlen.

Vor allem Letzteres ist aktuell in Unternehmensberichten in Deutschland nach Einschätzung der Investoren nur selten der Fall. Eine integrierte Berichterstattung könnte dazu beitragen, die benötigten Informationen in einem nützlichen Format zur Verfügung zu stellen, welches nichtfinanzielle und finanzielle Ergebnisse miteinander verknüpft. Am Rahmenwerk des IIRC für eine solche integrierte Berichterstattung schätzen die Befragten insbesondere die Hervorhebung des Geschäftsmodells und die Anerkennung verschiedener Kapitalformen zur Abbildung des Unternehmenswerts, aber auch die Konnektivität von Informationen, die langfristige Ausrichtung und das integrierte Denken, das sich aus der Einführung einer integrierten Berichterstattung ergibt.

INTEGRIERTE BERICHTERSTATTUNG IN DEUTSCHLAND BISHER UNÜBLICH
Im Gegensatz zu verschiedenen anderen Ländern ist diese Form der Berichterstattung in Deutschland bisher kaum verbreitet. Ändern könnten dies aus Sicht der Befragten insbesondere ein erhöhter Druck auf die Unternehmen aufgrund der steigenden Nachfrage durch Investoren sowie die Weiterentwicklung von diesbezüglicher Regulierung und Standards, insbesondere auf internationaler Ebene, wie es aktuell etwa seitens der EU geschieht.

„Der Schritt zu einer integrierten Berichterstattung ist für Unternehmen in Deutschland gar nicht allzu groß.“, erklärt Klaus Rainer Kirchhoff, Gründer und CEO von Kirchhoff Consult. „Sie bauen auf einer umfangreichen und ausgereiften Berichterstattung auf – gerade im internationalen Vergleich. Wichtig ist es vor allem, die Verknüpfungen der nichtfinanziellen Informationen mit ihren letztlich finanziellen Auswirkungen verstärkt aufzuzeigen.“

MIT BERICHTERSTATTUNG VERTRAUEN AUFBAUEN
Den Investoren würde das helfen, die Chancen und Risiken der Unternehmen besser zu beurteilen und mehr Gewissheit bei ihrer Einschätzung der möglichen künftigen Performance – und damit des Unternehmenswerts – zu bekommen. „Das Vertrauen der Investoren in die Unternehmen aufzubauen und zu stärken, war immer schon eine Kernaufgabe der Berichterstattung. Es ist ermutigend zu sehen, dass das Verhalten von Investoren in Deutschland und international eine Entwicklung einschlägt, die eine größere Bandbreite an Werttreibern berücksichtigt und wir werden weiterhin mit den Unternehmen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass diese Informationen robust, effektiv und vergleichbar sind.“, betont Charles Tilley, CEO des IIRC.

Die vollständige Studie ist unter www.kirchhoff.de zum Download verfügbar.


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