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„Das Sabbat-Jahr“

Nathan Dumlao auf Unsplash

Einige Anmerkungen zum Beitrag von Fritz Lietsch von Dr. Christoph Golbeck

Berlin (uvg) – Auf dem Höhepunkt des aktuellen Corona-Lockdowns veröffentlichte Fritz Lietsch, Chefredakteur des Magazins „forum nachhaltig Wirtschaften“ am 4. April 2020 im globalmagazin.com den Beitrag „Das Sabbat-Jahr“. In diesem „Gedankenspiel über die unglaublichen Chancen der aktuellen C-Krise“ diskutiert Lietsch die konkreten Vor- und Nachteile, die damit einhergingen, sollten wir als Gesellschaft die gegenwärtige Krise in „ein Jahr der Ruhe“ verwandeln.

Nachdem Lietsch in diesem spannenden und bedenkenswerten Beitrag zunächst die Folgen unseres dysfunktionalen Wirtschaftssystems für den fortschreitenden Klimawandel und die große Transformation kurz skizziert, geht er im Kern auf die Frage ein, wie „schleichende Krisen bewältig(t)“ werden könnten, obwohl hoch kompetitive Marktgesellschaft oft nur wenig Raum lassen, um „die wirklich großen Herausforderungen“ anzugehen. „Zeit für Neugierde, Zeit für Innovation“, so Lietsch, würde im „überlasteten Alltag“ oft nicht zur Verfügung stehen. Daher spricht er sich für ein gesamtgesellschaftliches Sabbatical aus, um die gegenwärtige Krise gleichsam als Geschenk der Ruhe zu begreifen, als die „Chance für einen Neubeginn“.

Dafür skizziert Lietsch die Leitplanken einer „kleinen Revolution“: von einem zeitlich zu begrenzenden Grundeinkommen bis zum „einfrieren“ von Immobilienkrediten werden im Beitrag einige Visionen zur Aussetzung akuter Arbeits- und Finanzierungsverpflichtungen diskutiert. Diese Ideen mögen utopisch anmuten, gleichwohl baut Lietsch nachvollziehbar auf dem Gedanken auf, dass noch vor wenigen Wochen auch unmöglich schien, den weltweiten Flugverkehr nahezu vollständig stillzulegen oder die gesamte Autoindustrie. Allesamt zielen Lietschs Maßnahmen daher darauf ab, „Burnout, Stress und Depressionen“ durch Kreativität, Mut und Selbstbestimmung abzulösen, um „innere Kündigungen“ in „Neuausrichtungen“ zu verwandeln. Spannend ist es an diesen stärksten Stellen des Beitrags mit Lietsch zu überlegen, ob durch einen Sabbat so wirklich neue „Bilanzierungs- und Bewertungssysteme“ in das Licht der Öffentlichkeit rücken würden und ob ganzheitlich ausgerichtete Unternehmen und Organisationen dadurch wirklich stärker, „deren ‚Purpose‘, deren Leistung für die Gemeinschaft“ herausstellen könnten.

Natürlich wird es zugleich spannend sein, den Vorschlag von Lietsch kritisch daraufhin zu diskutieren, ob sein Sabbat-Jahr auch wirklich alle Teile der Bevölkerung erreichen kann. Also auch jene Menschen, die in wirklich systemrelevanten Branchen arbeiten. Um Fritz Lietsch zu folgen, wird also besonders zu hinterfragen sein, ob bspw. Beschäftigte aus der Nahrungsmittelproduktion oder -versorgung genauso wie jene im Bereich Trinkwasserversorgung von der Auszeit profitieren werden. Wie können diese Menschen realistisch und in relevanter Anzahl in die Diskussionen und Überlegungen des Sabbat-Jahres eingebunden werden? Sind sie es doch, welche die basalen Infrastrukturen unseres Überlebens aufrechterhalten müssen. Anders als Angestellte des öffentlichen Dienstes oder Unternehmer deren Kreditverpflichtungen von Tilgung und Zins für ein Jahr freigestellt wurden, könnten sich diese LKW-Fahrer oder Kassiererinnen jedenfalls nicht einfach zur Reflektion ins Home Office zurückziehen.

Wie aber wäre der Vorschlag des Sabbat-Jahres unter solchen Umständen auch nur halbwegs unter egalitären Bedingungen organisierbar? Und ist es wirklich realistisch, vor dem absehbaren Ende der schärfsten Distanzierungsregeln und damit auch dem Schließungsende der allermeisten Wirtschaftseinrichtungen ein öffentliches Abkommen darüber zu erzielen, wie das zeitlich begrenzte Grundeinkommen sowie die geforderten Stundungen umgesetzt werden könnten?

Ich bin gespannt auf diese wichtige Diskussion!

#SabbatJahr
#VerantwortungJetzt
#Grundeinkommen
#systemrelevant

Dr. Christoph Golbeck, Politologe & Prokurist der Autohaus Golbeck GmbH, Berlin, ist Vorstandsmitglied von „Unternehmen Verantwortung Gesellschaft e. V.“ und engagiert im Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik,
E-Mail: christoph.golbeck@csr-news.net


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